Freegaia 1 – Die Frage

Freegaia – Die Stadt beginnt zu leuchten · Episode 1 · Folge 1 von 23

Was hast Du in den vergangenen Wochen schon Gutes für das Gemeinwohl getan?

Alice hat die Frage eine Weile angesehen. Dann hat sie „nichts” gedacht und „Ich war für meine Kinder da” getippt, weil ihr sonst nichts einfiel.

Als Bob in die Küche kommt, ist es kurz vor Mitternacht, und Alice weint. Sie sitzt am Tisch, vor sich den Teller mit den Nudelresten der Kinder, die sie im Stehen hatte essen wollen, und in ihrer Hand leuchtet das Handy.

Bob bleibt in der Tür stehen. Er kennt Alice seit einem halben Jahr und hat sie noch nie weinen sehen. Er sieht das Handy. Er sieht, dass sie auf das Handy schaut und nicht auf ihn. Und er hat eine Vermutung, die ihm nicht gefällt.

„Wer schreibt Dir?”

Alice lacht. „Niemand, den Du kennst.”

Das ist die Antwort, die er nicht hören wollte. Er setzt sich neben sie und hält die Hand auf.

Sie gibt ihm das Handy.

Auf dem Bildschirm steht, hinter einem goldenen Häkchen, Alices eigener Satz: Ich war für meine Kinder da. Darunter eine Nachricht. Sie beginnt mit Liebe Alice, willkommen!, und sie ist kurz:

Die Gemeinschaft dankt Dir — für die Zeit, die Du Deinen Kindern schenkst.
Deine ersten 100 Gradido sind Dank für das, was Du längst getan hast.
Schön, dass Du da bist.

Darunter, kleiner, steht, wer das bestätigt hat: Diesen ersten Dank hat die Software gleich bestätigt, damit Du sofort loslegen kannst. Bei allem, was Du von jetzt an einträgst, liest ein Mensch mit. Und ganz unten eine Zahl mit drei Buchstaben dahinter, die er nicht kennt: 100,00 GDD.

Er liest die Nachricht zweimal. Es steht nichts Schlimmes darin. Das ist es ja. Da steht, dass die Gemeinschaft ihr dankt für die Zeit, die sie Helena und Gustav schenkt. Da steht, wer es bestätigt hat. Und dann steht da eine Zahl.

„Eine Software”, sagt Bob.

„Es steht doch dabei.”

„Du hast wegen einer Software geweint.”

„Ich habe geweint, weil es stimmt.” Alice wischt sich mit dem Ärmel über das Gesicht. „Lies es noch mal. Es stimmt.”

„Was kostet das?”, fragt Bob.

„Nichts.”

„Was kostet es wirklich?”

„Nichts, Bob. Ich habe es gelesen. Zweimal.”

Er scrollt. Warum hundert?, steht da, und darunter, dass es ab jetzt jeden Monat welche gibt, bis zu tausend, für das, was man Gutes für das Gemeinwohl tut.

„Tausend im Monat”, sagt Bob. „Da ist ein Haken.”

„Dann find ihn.”

Er sucht das Kleingedruckte, und er findet es: die Datenschutzerklärung, ganz unten, und er liest sie, während Alice ihm zusieht. Dann die Anmeldeseite. Dort wechseln die Zeilen, und eine merkt er sich, drei Worte: Gemeinschaftsbasiert. Dezentral. Open Source. Er glaubt keinem davon. Aber das dritte kann man prüfen.

„Hast Du Dich da eingetragen? Mit Deinem richtigen Namen?”

„Mit meinem richtigen Namen.” Alice nimmt ihm das Handy nicht weg. „Ich habe irgendwo davon gehört, ich weiß nicht mehr, wo. Dass da alleinerziehende Mütter etwas gelten. Und dann hat es mich gefragt, was ich Gutes getan habe, und ich habe gedacht: nichts. Ich habe gearbeitet, ich habe die Kinder ins Bett gebracht, ich war beim Amt.” Sie zeigt auf den Kühlschrank, an dem der Dienstplan hängt, mit Helenas Buntstiftsonne darüber. „Das ist alles, was ich mache. Und dann habe ich es hingeschrieben. Einfach so, wie es ist.”

Bob schaut auf den Satz mit dem goldenen Häkchen. Sechs Wörter.

„Und darauf antwortet Dir eine Software.”

„Beim ersten Mal. Damit es schnell geht und man nicht erst warten muss.” Alice tippt auf die kleine Zeile. „Das nächste Mal lesen Menschen mit. Moderatorinnen, Moderatoren. Und sie schreiben, dass Muttersein ein Dienst am Gemeinwohl ist. Einer der wichtigsten.” Sie atmet aus. „In acht Jahren hat mir das zum ersten Mal jemand gesagt.”

„Eine Software hat es Dir gesagt.”

„Jemand hat es der Software beigebracht.”

Bob legt das Handy auf den Tisch, mit dem Bildschirm nach oben, so dass die Nachricht zwischen ihnen liegt.

„Ich will wissen, wer das ist”, sagt er. „Wer die sind. Was die wollen.”

„Ich weiß, was sie wollen”, sagt Alice. „Ich will es Carla zeigen.”

„Erst zeigst Du es mir.”


So geht’s in der Software

Die Frage, die Alice um Mitternacht liest, stellt Dein Gradido-Konto beim ersten Öffnen auch Dir.

  1. Konto öffnen. Geh auf gdd.gradido.net und melde Dich an. Noch kein Konto? Tippe auf „Registrieren”. Passwort nicht mehr zur Hand? „Passwort vergessen” steht auf der Anmeldeseite.
  2. Die Frage beantworten. Beim ersten Öffnen fragt Dich das Konto, was Du in den vergangenen Wochen schon Gutes für das Gemeinwohl getan hast. Vervollständige einen der angebotenen Sätze oder schreib Deinen eigenen. Rentnerin oder Rentner? Dann setz das Häkchen „Dein Lebenswerk zählt”.
  3. Speichern und lesen. Deinen ersten Dank bestätigt die Software sofort: 100 Gradido, mit einer Nachricht wie der, die Bob zweimal liest. Bei allem, was Du von jetzt an einträgst, liest ein Mensch mit.

Du hast die Frage schon einmal beantwortet? Dann findest Du Deine Antwort unter „Transaktionen”: Absender ist die Gemeinschaft, über dem Betrag steht „Geschöpft”.

Du hast schon früher geschöpft, lange vor dieser Frage? Dann stellt Dein Konto sie Dir nicht mehr. Dein Dank steht seit damals unter „Transaktionen”, und beim Schöpfen beantwortest Du die Frage jeden Monat neu.

👉 Zu Deinem Gradido-Konto


Nächste Folge am Donnerstag, 22. Oktober: „Freegaia 2 – Der Haken”. Bob liest bis halb drei, und am Samstag kommt Carla.
Alle Folgen auf einer Seite: Freegaia

Herzliche Grüße

Deine

Margret Baier und Bernd Hückstädt
Gradido-Gründer und Entwickler

PS: Ein großes Dankeschön an alle, die aus der Community heraus das Gradido-Projekt finanziell unterstützen! Als Dank für Deinen Förderbeitrag schreiben wir Dir GradidoTransform (GDT) gut — und am 31. Dezember 2026 erhöhen wir alle GDT-Kontostände zusätzlich um 20 %. Magst auch Du mitfördern? Wir freuen uns über jede Unterstützung — und schenken Dir die GDT-Erhöhung von Herzen.

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner