Eine umfassende Analyse der drei zentralen Arbeitsmarktversprechen
Der Text spiegelt die Recherche- und Analyseergebnisse der KI-Anwendung “Perplexity” wider und stellt keine Meinungsäußerung von Gradido dar. Er dient der Information und als Impuls zur weiteren Diskussion.
Der Bericht deckt folgende Schwerpunkte ab:
I. Vollbeschäftigung durch das Aktive Grundeinkommen
Die These ist konzeptuell stark: Gemeinwohlarbeit (50h/Monat × 20 GDD) als vollwertige Arbeit neu zu definieren, bricht mit der engen Erwerbsarbeitslogik. Gestützt wird dies durch die erste deutsche Langzeitstudie (DIW Berlin, 2025): Menschen hören mit Grundeinkommen nicht auf zu arbeiten – sie werden berufszufriedener und qualifizieren sich mehr.
II. Das Ende der Schwarzarbeit
Dies ist die logisch schlagkräftigste These. Wenn Brutto = Netto gilt und keine Steuern oder Abgaben existieren, entfällt das primäre Motiv für Schwarzarbeit strukturell. Bemerkenswert: IW-Ökonom Enste diagnostiziert exakt dasselbe Hauptmotiv – „zu wenig Netto vom Brutto bleibt” – als Ursache für Deutschlands 510 Milliarden-Euro-Schattenwirtschaft.
III. Fachkräftemangel löst sich systemisch auf
Diese These ist die komplexeste: Sie wirkt nicht direkt, sondern über die Befreiung vom Wachstumszwang, die Aktivierung brachliegender Talente aus Bullshit-Jobs (40% der Büroangestellten empfinden ihren Job als überflüssig), und die volkswirtschaftliche Aufwertung von bisher unsichtbarer Care- und Pflegearbeit.
Gesamtbewertung: Die drei Versprechen folgen einer kohärenten inneren Logik und werden durch aktuelle empirische Forschung zum Grundeinkommen und zur Schwarzarbeit teilweise bestätigt. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der theoretischen Konsistenz des Modells, sondern im Übergang und in der politischen Implementierung.
Executive Summary
Das Gradido-Modell der Gradido-Akademie für Wirtschaftsbionik beansprucht, drei der drängendsten Arbeitsmarktprobleme der modernen Welt strukturell zu lösen: Arbeitslosigkeit, Schwarzarbeit und Fachkräftemangel. Diese Analyse untersucht die theoretische Architektur dieser Behauptungen, vergleicht sie mit dem empirischen Forschungsstand und bewertet kritisch, wo die Argumente überzeugend und wo sie lückenhaft sind. Das Ergebnis: Gradido enthält systemisch interessante, zum Teil durch aktuelle Grundeinkommensstudien gestützte Ansätze, jedoch bleiben zentrale Implementierungsfragen offen.
I. Das Gradido-Modell – Grundprinzipien
Bevor die drei spezifischen Versprechen analysiert werden, ist ein Verständnis der Grundarchitektur von Gradido notwendig. Das System beruht auf drei Säulen, der sog. „Dreifachen Geldschöpfung”:
1.000 GDD monatlich pro Person als Aktives Grundeinkommen (auf Basis Bedingungsloser Teilhabe)
1.000 GDD monatlich pro Person als Staatshaushalt (inkl. Gesundheit und Sozialwesen)
1.000 GDD monatlich pro Person für den Ausgleichs- und Umweltfonds (AUF)
Das Geld entsteht schuldfrei – im Gegensatz zum heutigen Schuldgeldsystem, wo jedes Guthaben einer entsprechenden Schuld gegenübersteht. Ein Kernmerkmal ist die geplante Vergänglichkeit: 50% des Guthabens verfallen jährlich, was die Geldmenge stabilisiert, das Horten verhindert und die Umlaufgeschwindigkeit fördert. Steuern und Sozialabgaben werden überflüssig, da der Staatshaushalt direkt durch die zweite Geldschöpfung gedeckt wird.
II. Vollbeschäftigung durch das Aktive Grundeinkommen
Die Gradido-These
Das Aktive Grundeinkommen beruht auf dem Prinzip der „Bedingungslosen Teilhabe”: Jeder Mensch hat das Recht, sich bis zu 50 Stunden monatlich in das Gemeinwohl einzubringen und dafür 20 GDD pro Stunde – also maximal 1.000 GDD pro Monat – zu erhalten. Die Gradido-Akademie argumentiert, dass damit per Definition keine Arbeitslosigkeit mehr existiert, da jeder, der möchte, einen sinnvollen Beitrag leisten kann.
Die Bandbreite der Tätigkeiten ist dabei bewusst weit gefasst: von sozialer Unterstützung über Pflege von öffentlichen Räumen und Grünanlagen bis hin zu künstlerischen Darbietungen, Bildung, Umweltschutz und Verwaltungstätigkeiten. Wer aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen nicht beitragen kann, erhält das Grundeinkommen bedingungslos.
Aktueller Kontext: Arbeitslosigkeit in Deutschland
Die Relevanz dieser These ist nicht abstrakt. In Deutschland ist die Arbeitslosenquote 2024 auf rund 6 Prozent gestiegen, im September 2025 waren noch 2,955 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, und die Erwerbstätigenzahl sank im Vorjahresvergleich um 69.000 Personen. Der demografische Druck und struktureller Wandel drohen, die Lage weiter zu verschlechtern.
Empirische Stützung: Erkenntnisse aus Grundeinkommensstudien
Eine entscheidende Frage ist: Würden Menschen mit einem Grundeinkommen aufhören zu arbeiten? Die erste deutsche Langzeitstudie zum Grundeinkommen (2021–2024), durchgeführt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), der Frankfurt School, der Uni Wien und der University of Oxford, liefert aufschlussreiche Daten:
122 Personen erhielten 3 Jahre lang monatlich 1.200 Euro bedingungslos
Ergebnis: Menschen hören nicht auf zu arbeiten – der Anteil der Erwerbstätigen war in der Gruppe mit Grundeinkommen „nahezu deckungsgleich” mit der Kontrollgruppe
Stattdessen: mehr Weiterbildung, mehr Berufszufriedenheit, bessere mentale Gesundheit
Teilnehmer nutzten das Grundeinkommen für berufliche Neuorientierung und Qualifizierung, nicht für Rückzug
Diese Ergebnisse stützen die Gradido-These, dass das Grundeinkommen nicht zur „sozialen Hängematte” führt, sondern intrinsische Motivation aktiviert.
Es gibt jedoch auch kritische Befunde: Eine US-amerikanische Studie (Stockton/Gainesville) zeigte, dass bei einer Vergleichsgruppe die Arbeitsbeteiligung leicht sank (-2 Prozentpunkte) und die geleisteten Arbeitsstunden sich reduzierten. Die Ergebnisse sind international nicht einheitlich und hängen stark von kulturellen und strukturellen Rahmenbedingungen ab.
Die konzeptionelle Stärke von Gradido gegenüber dem BGE
Ein entscheidender Unterschied zwischen dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) und dem Gradido-Aktiven Grundeinkommen liegt in der Verbindung mit Gemeinwohlbeitrag. Gradido vereint die Argumente von BGE-Befürwortern (Existenzsicherung) und -Gegnern (Gegenleistung). Der Grundsatz „Bedingungslose Teilhabe” – jeder darf beitragen und wird dafür gewürdigt – ist psychologisch wirkungsmächtig: Er hebt Sinnlosigkeit und Stigmatisierung auf, die aktuell mit Arbeitslosigkeit verbunden sind.
Der Gradido-Gründer Bernd Hückstädt betont, dass der gesunde Mensch einen natürlichen Wunsch nach Wachstum und Entwicklung hat und sich nicht einfach ins soziale Nichts zurückzieht. Die vorhandene Forschungslage stützt diese Einschätzung weitgehend.
Kritische Beurteilung
Die These „per Definition keine Arbeitslosigkeit mehr” ist insofern korrekt, als sie Vollbeschäftigung begrifflich neu definiert: Gemeinwohlarbeit wird gleichwertig zur Erwerbsarbeit anerkannt. Das ist ein wertvoller konzeptueller Bruch mit der heutigen Engführung des Arbeitsbegriffs. Offene Fragen bleiben jedoch:
| Aspekt | Gradido-These | Offene Frage |
|---|---|---|
| Anerkennung von Gemeinwohlarbeit | Alle Beiträge zählen gleich | Wer bestimmt, was als Gemeinwohlbeitrag gilt? |
| Psychologische Wirkung | Menschen bleiben aktiv, gewinnen Sinn | Gilt das kulturübergreifend und in allen sozialen Lagen? |
| Hochqualifizierte Jobs | Fachkräfte leisten Gemeinwohlbeitrag | Wie wird spezialisiertes Wissen in der Gemeinwohlarbeit abgerufen? |
| Wirtschaftliche Transition | Brutto = Netto, Existenz gesichert | Wie verhält sich das reguläre Arbeitsverhältnis zum Aktiven GE? |
III. Das Ende der Schwarzarbeit
Die Gradido-These
Die Argumentation ist hier elegant und direkt: Da im Gradido-System keine Steuern und keine Sozialabgaben erhoben werden, entfällt das wichtigste Motiv für Schwarzarbeit. Brutto = Netto. Schwarzarbeit ist per Definition der Versuch, Steuer- und Abgabenpflichten zu umgehen – wenn diese Pflichten nicht existieren, gibt es keine Schwarzarbeit mehr.
Aktueller Kontext: Schwarzarbeit als wachsendes Problem
Die Zahlen belegen den Handlungsbedarf eindrücklich:
2024 arbeiteten mindestens 3,3 Millionen Menschen in Deutschland schwarz – das sind 5,4% der Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren
Die Schattenwirtschaft betrug zwischen 2014 und 2024 rund 10% des BIP
Für 2025 wurde ein Anstieg auf 511 Milliarden Euro prognostiziert (+6,1%)
Für 2026 wird der Wert auf 538 Milliarden Euro oder 11,6% des BIP geschätzt – der höchste Stand seit 2014
Besonders aufschlussreich ist die Diagnose der Ökonomen: Der IW-Verhaltensökonom Dominik Enste stellte fest: „Schwarzarbeit ist so attraktiv, weil den Beschäftigten zu wenig Netto vom Brutto bleibt.” Neue Gesetze und Kontrollen würden die Schwarzarbeit nicht reduzieren – nur eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast könne das.
Dies ist bemerkenswert: Die Diagnose der Mainstream-Ökonomen deckt sich exakt mit dem Gradido-Lösungsansatz. Der Gradido-Grundsatz „Brutto = Netto” beseitigt damit strukturell den Hauptanreiz für Schwarzarbeit.
Analyse: Ursachen der Schwarzarbeit und Gradido-Passung
Die Hauptursachen für Schwarzarbeit lassen sich in drei Kategorien einteilen, und Gradido adressiert sie alle:
1. Steuer- und Abgabenlast:
Schwarzarbeit zahlt sich besonders für Besserverdienende aus, da die Ersparnis durch Steuervermeidung am höchsten ist. Durch den Wegfall aller Abgaben entfällt dieser Anreiz vollständig.
2. Wirtschaftliche Schwäche und Arbeitslosigkeit:
Schlechte Wirtschaftslagen erhöhen die Schwarzarbeit, weil gemeldete Arbeitsverhältnisse weniger ertragreich werden. Das Aktive Grundeinkommen schafft eine solide Existenzgrundlage unabhängig von der Konjunktur.
3. Bürokratische Hürden:
Wer Bürokratie scheut, arbeitet lieber ohne Rechnung. Gradido eliminiert den gesamten Steuer- und Sozialversicherungsapparat inklusive Finanzämter und Prüfbehörden.
Die Bürokratie-Dimension: Quantifizierte Einsparungen
Der Gradido-Bericht zu Bürokratieabbau quantifiziert die strukturellen Gewinne:
Deutschlands Bürokratie kostet die Wirtschaft jährlich bis zu 146 Milliarden Euro (ifo-Institut)
19% der Beschäftigten sehen keinen gesellschaftlichen Nutzen in ihrer Tätigkeit (empirisch bestätigt nach David Graebers „Bullshit Jobs”-Forschung)
Rund 40% der Büroangestellten empfinden ihren Job als überflüssig
Der Wegfall des Steuer- und Sozialversicherungsapparats schafft enormes Energieeinsparpotenzial: 60–70% Reduktion allein durch Bürokratieabbau möglich
David Graeber hat diese gesellschaftliche Sinnentleerung durch überflüssige Verwaltungsarbeit in seinem Werk „Bullshit Jobs” ausführlich beschrieben. Gradido löst dieses Problem nicht durch moralischen Appell, sondern durch systemisches Redesign: Wenn keine Steuerrechtfertigung nötig ist, entfallen Tausende von Berufsprofilen, die heute ausschließlich der Abgabenverwaltung dienen.
Kritische Beurteilung
Die Schwarzarbeits-These ist die logisch stärkste der drei Gradido-Behauptungen. Der Wegfall von Steuern und Abgaben beseitigt definitiv den primären Schwarzarbeitsanreiz. Kritisch bleibt jedoch:
Reguläre Wirtschaftsunternehmen würden im Gradido-System weiterhin Preise verlangen – aber würde das Aktive Grundeinkommen als Währung von allen akzeptiert? Die Währungsakzeptanz ist eine zentrale Implementierungsfrage.
Schwarzarbeit hat auch kulturelle und soziale Dimensionen, die nicht rein ökonomisch erklärbar sind.
IV. Die Lösung des Fachkräftemangels
Die Gradido-These
Gradido argumentiert, dass sich der Fachkräftemangel im neuen System von selbst erledigt, weil die Wirtschaft vom Wachstumszwang befreit ist und problemlos schrumpfen kann, ohne soziale Härten zu erzeugen. Wenn wirtschaftliches Schrumpfen keine Massenarbeitslosigkeit und keine Existenzangst mehr auslöst, verliert der Fachkräftemangel seinen systemischen Schrecken.
Aktueller Kontext: Fachkräftemangel in Deutschland
Die Lage ist ernst und strukturell:
Im Jahresdurchschnitt 2023/2024 waren bundesweit rund 532.000 Stellen unbesetzt, weil keine passend qualifizierten Arbeitslosen verfügbar waren
Jedes zweite Unternehmen in Deutschland kann offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen
Die geburtenstarken Babyboomerjahrgänge gehen in den Ruhestand, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken
Das DIW schätzt, dass das Erwerbspersonenpotenzial bis 2029 um 300.000 Personen pro Jahr zurückgeht
Der Fachkräftemangel ist zu einer der größten Wachstumsbremsen der deutschen Wirtschaft geworden
Analyse: Wie Gradido dem Fachkräftemangel begegnet
Gradido adressiert das Fachkräfteproblem auf mehreren Ebenen:
Ebene 1 – Entkopplung von Wachstumszwang und sozialem Wohlergehen:
Im heutigen System erzeugt Wirtschaftsschrumpfung sofort Arbeitslosigkeit und soziale Notlagen, weil Arbeit die primäre Existenzsicherung ist. Wenn Unternehmen weniger produzieren, entlassen sie Menschen. Im Gradido-System ist die Existenz durch das Aktive Grundeinkommen gesichert. Betriebe können gesund schrumpfen – weniger Mitarbeiter brauchen, ohne soziale Katastrophen auszulösen. Der Wachstumszwang, der heute Firmen zur Expansion zwingt (um Schulden zu tilgen, um Rendite zu erwirtschaften, um Mitarbeiter zu halten), entfällt.
Ebene 2 – Aktivierung brachliegender Talente:
Fachkräftemangel hat eine oft übersehene Dimension: Viele qualifizierte Menschen sind heute in Bullshit Jobs beschäftigt – Tätigkeiten, die gesellschaftlich nichts nützen, aber existenziell notwendig sind. Im Gradido-System könnten diese Personen ihre Fähigkeiten dort einsetzen, wo echter Bedarf besteht – in Pflege, Bildung, Technik, Umweltschutz. Die Vergütung über das Aktive Grundeinkommen oder zusätzliche Marktarbeit schafft neue Freiheiten der Talentallokation.
Ebene 3 – Demografischen Wandel auffangen:
Die erste Geldschöpfung für das Aktive Grundeinkommen honoriert Tätigkeiten, die heute unbezahlt sind: Kinderbetreuung, Pflege älterer Menschen, Nachbarschaftshilfe, Care-Arbeit. Diese Tätigkeiten sind volkswirtschaftlich unverzichtbar und werden durch den demografischen Wandel immer wichtiger – aber sie erscheinen heute nicht in der offiziellen Statistik als „Arbeit”. Gradido wertet sie strukturell auf.
Ebene 4 – Sinnarbeit und Motivation:
Die Studie zu Gradido aus Gradido-Perspektive für Deutschland hebt hervor: Fachkräftemangel entsteht auch durch Attraktivitätsverlust von Berufen und wachsende Burnout-Häufigkeit. Wenn Menschen aus Schaffensfreude statt aus Existenzangst arbeiten – wie im Gradido-Grundprinzip angelegt –, steigen Produktivität und Berufszufriedenheit natürlich.
Der Wachstumszwang: Ein systemisches Problem
Die Degrowth- und Postwachstumsforschung teilt Gradidos Diagnose: Dem kapitalistischen System ist ein Wachstumszwang immanent, da er in den Produktionsverhältnissen und der Sozialstruktur begründet ist. Kritiker wie der Wirtschaftsdienst warnen allerdings, dass Schrumpfung ohne Absicherung zu massiven Verteilungskonflikten führen würde. Genau hier liegt Gradidos Antwort: Das Aktive Grundeinkommen ist die soziale Absicherung, die Degrowth erst sozialverträglich macht.
Kritische Beurteilung
Die Fachkräftemangel-These ist die komplexeste der drei Behauptungen. Sie ist nicht so direkt wie die Schwarzarbeits-Lösung, sondern wirkt über mehrere systemische Hebel. Kritisch bleibt:
Hoch spezialisierter Fachkräftemangel (Ärzte, Ingenieure, IT-Spezialisten) ist nicht nur durch systemische Anreize bedingt, sondern durch lange Ausbildungszeiten und komplexes Wissen, das nicht durch Gemeinwohlstunden ersetzbar ist.
Die These setzt voraus, dass das Gradido-System ausreichende Anreize für jahrelange Fachausbildung erhält – ein Aspekt, den die Gradido-Literatur bisher nur indirekt adressiert (durch zusätzliches Marktarbeitseinkommen über das Grundeinkommen hinaus).
Der demografische Wandel selbst – weniger Geburtenzahlen – wird durch Gradido nicht direkt adressiert, wohl aber durch familienpolitische Impulse des Aktiven Grundeinkommens (Elternarbeit wird honoriert).
V. Systemische Querverbindungen: Wie die drei Lösungen sich gegenseitig verstärken
Ein oft übersehener Aspekt ist, dass die drei Gradido-Lösungen nicht unabhängig voneinander sind, sondern ein kohärentes systemisches Ganzes bilden:
Aktives Grundeinkommen
│
├──► Vollbeschäftigung (Gemeinwohl = Arbeit, jeder darf beitragen)
│
├──► Kein Steuervermeidungsanreiz ──► Ende der Schwarzarbeit
│
└──► Existenzsicherung ohne Wachstumszwang ──► Fachkräftemangel löst sichDas Dreifache-Wohl-Prinzip – Wohl des Einzelnen, der Gemeinschaft und des Großen Ganzen – verbindet alle drei Dimensionen ethisch. Die Steuerfreiheit und das Grundeinkommen sind nicht separate Maßnahmen, sondern Ausprägungen derselben Systemlogik.
Der Ausgleichs- und Umweltfonds als drittes Element
Der AUF schafft zusätzlich Millionen von gemeinwohlorientierten Arbeitsplätzen für Umweltsanierung, Renaturierung und den Schutz natürlicher Ressourcen. Dies ist eine weitere Beschäftigungsdimension, die im Kontext von Fachkräftemangel und Sinnsuche besonders relevant wird.
VI. Kritische Gesamtbewertung
Stärken des Gradido-Ansatzes
Konsistente innere Logik: Die drei Lösungsversprechen folgen konsequent aus denselben Grundprinzipien.
Empirische Stützung: Aktuelle Grundeinkommensstudien belegen, dass Menschen mit Grundeinkommen nicht aufhören zu arbeiten, sondern sich besser weiterentwickeln.
Diagnose-Kongruenz: Die Schwarzarbeits-Diagnose deckt sich mit der Mainstream-Ökonomik – zu wenig Netto vom Brutto ist der Haupttreiber.
Systemisches Denken: Gradido adressiert Ursachen, nicht Symptome.
Naturorientierung: Das Vergänglichkeitsprinzip (50% Verfall/Jahr) schafft automatische Geldmengenregulierung ohne politisches Eingreifen.
Herausforderungen und offene Fragen
Fehlende Pilotprojekte im großen Maßstab: Gradido wird aktuell vor allem als Komplementärwährung und Gemeinwohlpunkte-System erprobt, nicht als vollständiges Wirtschaftssystem. Der Schritt von lokalen Experimenten zu nationalstaatlicher Implementierung ist immens.
Währungsakzeptanz: Für einen reibungslosen Übergang müssten Unternehmen GDD als vollwertiges Zahlungsmittel akzeptieren – ein Henne-Ei-Problem.
Übergangsproblem: Wie wird der bestehende Schulden- und Steuerapparat abgebaut, ohne makroökonomische Schocks auszulösen?
Fachausbildungsanreize: Ob das Aktive Grundeinkommen (1.000 GDD/Monat Sockel) genügend Anreiz für mehrjährige Fachausbildungen erhält, ist eine offene empirische Frage.
Politische Widerstände: Wie die strategische Analyse zeigt, würde Gradido massive Interessenverluste bei Finanzindustrie, Steuerbehörden und bestimmten politischen Akteuren auslösen.
Vergleichende Tabelle: Heutiges System vs. Gradido
| Dimension | Heutiges System | Gradido-System |
|---|---|---|
| Arbeitslosigkeit | Strukturell eingebaut als Puffer | Per Definition ausgeschlossen durch Gemeinwohlarbeit |
| Schwarzarbeit | 10–11% des BIP (Schattenwirtschaft) | Entfällt strukturell, da keine Steuern/Abgaben |
| Lohnabzüge | Brutto ≠ Netto (hohe Sozialabgaben) | Brutto = Netto |
| Wirtschaftswachstum | Zwang zur Expansion (Schuldenlogik) | Gesundes Schrumpfen möglich |
| Sinnlosarbeit | ~19–40% Bullshit Jobs | Strukturell reduziert durch Neuallokation |
| Fachkräftemangel | Strukturell wachsend | Durch Wachstumsentlastung und Talentumverteilung reduziert |
| Pflegearbeit, Ehrenamt | Wirtschaftlich unsichtbar | Als Gemeinwohl-Beitrag vollständig anerkannt und vergütet |
VII. Fazit: Systemische Vision mit noch zu lösenden Implementierungsfragen
Gradido ist keine bloße monetäre Reform, sondern ein Betriebssystemwechsel der Wirtschaft. Die drei Kernversprechen – Ende von Arbeitslosigkeit, Schwarzarbeit und Fachkräftemangel – sind keine naiven Utopien, sondern folgen aus einer kohärenten inneren Systemlogik, die von Teilen der empirischen Forschung gestützt wird.
Die logisch stärkste These ist das Ende der Schwarzarbeit: Wenn keine Steuern existieren, gibt es nichts zu hinterziehen. Die deutsche Forschung bestätigt, dass die Abgabenlast der Haupttreiber ist.
Die empirisch interessanteste These ist das Ende der Arbeitslosigkeit: Grundeinkommensstudien zeigen, dass Menschen nicht aufhören zu arbeiten – sie suchen Sinn, nicht Muße. Gradidos Verbindung von Grundeinkommen mit Gemeinwohlbeitrag ist gegenüber einem reinen BGE der konzeptuell überzeugendere Ansatz.
Die systemisch tiefgründigste These ist die Lösung des Fachkräftemangels: Sie setzt voraus, dass wirtschaftliches Schrumpfen ohne soziale Katastrophen möglich wird – was nur dann gilt, wenn die Existenzsicherung entkoppelt von Erwerbsarbeit ist. Genau das leistet das Aktive Grundeinkommen.
Was bleibt, sind die Fragen der Transition und Implementierung: Wie ein globales, auf Schulden basiertes System in ein schuldfreies umgewandelt werden kann, wie Währungsakzeptanz entsteht und wie politische Widerstände überwunden werden, ist die eigentliche Herausforderung – nicht die theoretische Konsistenz des Modells. Diese ist bemerkenswert hoch.
Hinweis: Beiträge von gradido.net und interner Strategieanalyse spiegeln die Sichtweise und Forschungsergebnisse der Gradido-Akademie wider. Externe Quellen (ifo, DIW, IW Köln, Destatis, bpb) dienen zur unabhängigen Kontextualisierung und Verifikation der Thesen.
Herzliche Grüße
Deine

Margret Baier und Bernd Hückstädt
Gradido-Gründer und Entwickler
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